Studienfahrt zur Mahn- und Gedenkstätte Auschwitz (Oświęcim) – Erinnern, Verstehen, Verantwortung übernehmen

In diesem Schuljahr nahmen insgesamt 29 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen am Wahlfach „Auschwitz-Fahrt“ teil. Ziel des Wahlfaches war es, im Rahmen der Demokratie- und Werteerziehung die Teilnehmenden nicht nur organisatorisch, sondern vor allem historisch und emotional auf die Begegnung mit der Mahn- und Gedenkstätte Auschwitz vorzubereiten.

Im ersten Halbjahr traf sich die Gruppe regelmäßig mit Herrn Cinar, um sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt standen dabei die Geschichte und das System der Konzentrations- und Vernichtungslager, die Ideologie des Nationalsozialismus sowie das Leid der Opfer. Zudem wurde thematisiert, weshalb Auschwitz und Auschwitz-Birkenau innerhalb des Lagersystems eine besondere Stellung für die Nationalsozialisten einnahmen. Auch Berichte und Erinnerungen von Überlebenden spielten eine wichtige Rolle, um den Schülerinnen und Schülern die menschlichen Schicksale hinter den historischen Fakten näherzubringen. Die Vorbereitung orientierte sich dabei an den Grundsätzen der Gedenkstättenpädagogik und sollte die Jugendlichen dazu befähigen, die spätere Fahrt bewusst und reflektiert zu erleben.

Den Abschluss des Wahlfaches bildete schließlich die mehrtägige Fahrt (04. bis 07. März 2026) nach Polen. Begleitet wurde die Schülergruppe von Frau Dober und Herrn Cinar.

Eine Schülerin berichtet:

Am Mittwochmorgen trafen wir uns früh an der Schule, um gemeinsam die Reise nach Krakau anzutreten. Nach langen elf Stunden erreichten wir am Abend unser sehr zentral gelegenes Hostel in Krakau. Die verbleibende Freizeit wurde genutzt, um erste Eindrücke der Stadt zu sammeln.

Am folgenden Tag stand zunächst der Besuch des Oskar-Schindler-Museums auf dem Programm. In einer eindrucksvollen Ausstellung erhielten wir einen vertieften Einblick in das Leben im besetzten Krakau während der Zeit des Nationalsozialismus und erkannten zusätzlich, wie Oskar Schindler das Leben von über 1.200 jüdischen Zwangsarbeitern rettete, indem er sie als vermeintlich „kriegswichtige“ Arbeitskräfte in seiner Krakauer Emailwarenfabrik anforderte. Anschließend erkundeten wir in Kleingruppen im Rahmen einer Stadtrallye die historische Altstadt, das Wawel-Schloss (seit 1978 UNESCO-Welterbe) sowie das jüdische Viertel Kazimierz. Dabei wurde deutlich, wie eng die Geschichte Krakaus mit der jüdischen Kultur und den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs verbunden ist.

Der Freitag bildete den zentralen und emotional bedeutendsten Teil der Fahrt: den Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Auschwitz. Während einer mehrstündigen Führung erhielten wir in zwei Gruppen, ausgestattet mit Audiogeräten und Kopfhörern, einen umfassenden Einblick in die Geschichte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers. Besonders einprägsam waren die persönlichen Gegenstände der Opfer wie Schuhe oder Koffer, die den Opfern damals direkt nach der Ankunft abgenommen wurden. Wir gingen durch das berühmte Eingangstor und sahen auch die Stehzellen im sogenannten Todesblock 11. Kaum vorstellbar, welches Leid die Opfer dabei erlebt haben mussten. Auch die Todeswand zwischen Block 10 und 11 sowie die erste Gaskammer machten das unvorstellbare Leid der Menschen greifbar.

Im Anschluss besuchten wir in denselben Gruppen das weitläufige Gelände von Auschwitz-Birkenau. Entlang der „berühmten“ Eisenbahnschienen gelangten wir zur Rampe im Vernichtungslager, an der die Selektionen stattfanden. Außerdem standen die Überreste der Gaskammern und Krematorien sowie die Holzbaracken im Mittelpunkt der Führung. Der Besuch hinterließ bei vielen von uns tiefe Betroffenheit und regte zum Nachdenken an. Bevor wir wieder zurück zu unserem Hostel in Krakau fuhren, gab es noch ein Mittagessen in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz.

Am Samstag trat die Gruppe schließlich die Rückreise nach Nürnberg an. Während der langen Busfahrt blieb Zeit, die gemeinsamen Erfahrungen zu reflektieren und sich über die Eindrücke auszutauschen.

Das Wahlfach und die abschließende Fahrt nach Auschwitz machten uns eindrucksvoll bewusst, wie wichtig Erinnerungskultur und historisches Lernen auch heute noch sind. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zeigte, weshalb Demokratie, Menschenrechte und gegenseitiger Respekt niemals als selbstverständlich angesehen werden dürfen.

Laura Keilholz, 10d