Auf Entdeckungstour im Jüdischen Museum

In den letzten beiden Juliwochen hieß es für alle 9. Klassen: auf ins Jüdische Museum! Dabei ging es nicht darum, einfach nur durch eine Ausstellung zu gehen und Informationen aufzunehmen. Die Schülerinnen und Schüler durften selbst entdecken, auswählen, nachfragen und sich auf ganz unterschiedliche Weise mit jüdischer Geschichte, Kultur und Religion beschäftigen.

Besonders spannend war die Paparazzi-Rallye durch das Museum. Mit offenen Augen und Kameras machten sich die Jugendlichen auf die Suche nach Gegenständen, die ihre Aufmerksamkeit weckten. Jede Gruppe konnte selbst entscheiden, welche Objekte sie genauer kennenlernen wollte. Anschließend wurden die ausgewählten Stücke von einem Mitarbeiter des Museums erklärt. So entstanden viele interessante Gespräche, und aus zunächst vielleicht unscheinbaren Gegenständen wurden Geschichten, die einen persönlichen Zugang zur jüdischen Lebenswelt ermöglichten.

Auch religiöse Traditionen konnten die Schülerinnen und Schüler unmittelbar kennenlernen. Bei einer Klasse trugen die Jungen und Männer während des Besuches auf dem Jüdischen Friedhof eine Kippa. Dabei wurde nicht nur erklärt, wann und warum eine Kippa getragen wird, sondern auch, welche Bedeutung sie im Judentum hat. Gerade solche Einblicke machen Religion greifbar und ermöglichen es, eigene Vorstellungen zu hinterfragen.

Der Besuch des Jüdischen Museums ist für uns ein wichtiger Bestandteil unserer interreligiösen Bildungsarbeit. Bereits in der 7. Klasse begeben sich die Schülerinnen und Schüler bei einem interreligiösen Rundgang auf Spurensuche: Sie besuchen eine Moschee und zwei Kirchen und lernen dabei unterschiedliche religiöse Traditionen und Lebenswelten kennen. Mit dem Besuch des Jüdischen Museums wollten wir nun auch die jüdische Religion und jüdisches Leben stärker in diesen Lernweg einbeziehen.

Denn Wissen schafft Verständnis. Wenn Jugendliche die Möglichkeit bekommen, Fragen zu stellen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Religion und Kultur selbst zu erleben, können Vorurteile abgebaut und neue Perspektiven eröffnet werden. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Vorurteile und Anfeindungen weiterhin präsent sind, ist es uns ein besonderes Anliegen, jüdisches Leben sichtbar zu machen und für Antisemitismus zu sensibilisieren.

Der Besuch im Jüdischen Museum war deshalb weit mehr als ein Ausflug: Er war eine Gelegenheit, Neues zu entdecken, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Und vielleicht hat die eine oder andere selbst ausgewählte „Paparazzi-Aufnahme“ dafür gesorgt, dass etwas aus dem Museum noch ein Stück länger im Gedächtnis bleibt.

Elke Goertz im Namen alle Klassleiter der 9. Klassen