Jugendforum der bayerischen UNESCO-Projektschulen

6. Jugendforum der bayerischen UNESCO-Projektschulen

am 24. und 25. Februar 2015 in Nürnberg
mit dem Thema

Medien

nutzen – durchblicken – gestalten

Die Peter-Henlein-Realschule ist seit Sommer des letzten Schuljahres auf dem Weg, eine UNESCO-Projektschule zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen verschiedene Etappen durchschritten werden. Unsere Schule hat nun den ersten Schritt vollzogen und gilt nun als „Interessierte UNESCO-Projektschule“. Die bayerischen UNESCO-Projektschulen bilden ein Netzwerk von derzeit 31 Schulen und Bildungseinrichtungen, verteilt über ganz Bayern, und gehören zum weltweiten Netz der 8.600 Schulen in 180 Ländern. Oberstes Ziel ist es, sich für eine Kultur des Friedens einzusetzen.

 

In Bayern finden seit 1998 jährlich die Jugendforen der bayerischen UNESCO-Projekt-Schulen in der Jugendherberge auf der Nürnberger Burg statt. Dabei treffen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer aus den bayerischen UNESCO-Projekt-Schulen um dort an unterschiedlichen Projekten zum Thema UNESCO-Arbeit teilzunehmen und schulartübergreifende Kontakte zu knüpfen. Themen waren bisher beispielsweise „Menschenrechte hier und heute“, „Welterbe verstehen und annehmen“ oder „Ich esse was, was du nicht kriegst“ – Über den Tellerrand hinaus“. Dieses Jahr sollten nun die Medien im Mittelpunkt stehen und wie man Medien aller Art kompetent, selbstbewusst und verantwortlich auswählen und nutzen kann. Besonders erfreulich dabei: Zum 16. Jugendforum konnte eine Schülergruppe aus der Nürnberger Partnerstadt Charkiw begrüßt werden, die kompetent über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit der Berichterstattung über den Konflikt in der Ukraine zu berichten wusste.

 

Am Dienstag, den 24.02.14 haben wir uns um 13:00 Uhr gemeinsam mit ein paar anderen Schülern aus der Klasse 9d sowie Herrn Christoph Leikam und Herrn Armin Wurpes vor dem Eingang der Jugendherberge, die sich direkt neben der Burg befindet, getroffen. Bei einer Rede wurden wir herzlich durch Frau Birgit Steidel-Paschold, die Landeskoordinatorin aus Bamberg, Dr. Klemens Gsell, dem Schulbürgermeister der Stadt Nürnberg und Frau Susanne Rolz aus dem Ministerium für Unterricht und Kultus in München in Empfang genommen. Danach wurden wir in unser Thema – Medien nutzen, durchblicken & gestalten – eingewiesen und unsere Workshops wurden vorgestellt.

Nach der Rede durften wir unsere Zimmer beziehen, in denen wir bis zum nächsten Tag zusammen mit Schülern von anderen Schulen wohnten. Der Sinn dahinter war, dass sich Schüler persönlich kennenlernen und ein Austausch über die UNESCO-Projektschulen hinweg stattfinden kann – und nicht über das Internet und soziale Netzwerke kommuniziert wird.

Trotzdem hatten wir nicht viel Zeit, um unsere Taschen auszupacken und unsere Zimmergenossen näher kennenzulernen, da die Workshops begannen. Wir besuchten am ersten Tag den Workshop „Informationen über den Krieg in der Ukraine“, der von Schülern aus der Ukraine vorgetragen wurde. Im ersten Teil haben wir ein Video angesehen, in dem es um eine Umfrage zu dem Krieg ging, die die Schüler in der Ukraine gemacht haben. Ein anderer Schüler zeigte uns mithilfe einer Powerpoint – Präsentation, dass uns einige Medien Lügen auftischen. Außerdem haben sie eine Umfrage mit uns gemacht. Sie haben uns Fragen zu den Medien gestellt, und die Antworten sollten wir auf Zetteln notieren.

Darauf folgte eine Kaffepause, in der wir mit Kaffee, Tee und Kuchen versorgt wurden.

Im zweiten Teil des Workshops bearbeiteten wir einige Fragen zu den Medien in Gruppenarbeit und trugen unser Erarbeitetes vor. Zum Schluss durften wir den Schülern Fragen stellen. Das war sehr interessant, da sie den Krieg ja schließlich „hautnah“ miterlebten und uns deshalb gut aufklären konnten.

Nach einer kurzen Zeit, die wir auf unseren Zimmern verbrachten, folgte das gemeinsame Abendessen.

Um 19:30 Uhr versammelten wir uns zusammen mit den anderen Schülern und Lehrern, die an der Schulung teilnahmen, und begaben uns auf den Weg zu einem Konzert der Schülerinnen und Schüler im beeindruckenden Konzertsaal der Rudolf Steiner-Schule in Nürnberg. Vier unterschiedliche Orchesterformationen aus allen Jahrgangsstufen zeigten ihr reiches Repertoire, das von Klassik über Jazz und Rock bis zu Pop reichte. Die Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Steiner-Schule bescherten uns einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.

Der Mittwochmorgen begann mit einem großen gemeinsamen Frühstück um 7:30 Uhr. Danach packten wir unsere Taschen, räumten die Zimmer auf und gaben unsere Schlüssel ab.

Um 9:00 Uhr trafen wir uns mit unserer Gruppe an der Rezeption. Gemeinsam begaben wir uns auf den Weg zum Kommunikationsmusem in Nürnberg. Nach einem kurzen Weg von der Nürnberger Burg bis in die Nähe des Opernhauses begann dort unser Workshop „Vom Urlaut zum USB-Stick – Kommunikation Kompakt“. In dem Museum lernten wir unter Anderem einiges über die Entstehung der Kommunikation durch Sprachen und Mimik sowie die Entwicklung der Post und des Telefons bei einer empfehlenswerten Führung.

Die Lehrkräfte diskutierten währenddessen den bewussten Einsatz falscher Informationen zu Propagandazwecken in der Ukraine-Krise. Deutlich wurde dabei die Bedeutung neuer und sozialer Medien aufgezeigt, die durch gut finanzierte und bestens ausgestattete Propagandamaschinerien bedient werden. Anhand anschaulicher und beeindruckender Beispiele wurde dann über Möglichkeiten und Grenzen rechtsstaatlich-freiheitlicher Gesellschaften beim Umgang mit dieser bewussten Beeinflussung von Menschen durch Fehlinformationen debattiert.

Wieder in der Jugendherberge angelangt gab es ein leckeres Mittagessen, gefolgt von der Schlussrunde, bei der ein paar Schüler aus jedem Workshop ihre Ergebnisse vorstellten. Schließlich verabschiedeten wir uns und begaben uns um 14 Uhr auf den Weg nach Hause.

Abschließend ist zu sagen, dass wir an diesen Tagen viel dazu gelernt haben und finden, dass es die investierte Zeit wirklich wert gewesen ist.

Von Naemi Kahmann (9f) und Joshua Scheller (9d)

 

Hier findet sich der Link zu den Fotos vom Jugendforum:

https://www.flickr.com/photos/106816027@N03/sets/72157650674094947/

 

Folgende Workshops wurden angeboten:

Buchbinden

Das Buch ist eines der ältesten Medien der Menschheit: Ihr bindet euer eigenes kleines Tagebuch aus Papier, Schmuckpapier und Karton mit Nadeln und Faden.

Big Brother is watching you – Gefahren im Internet

Dieser Workshop ermöglicht einen Einblick in die sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp, Blogs& Co). Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kommunikationsformen? Welche Regeln sollte man bei der Onlinekommunikation einhalten?

Wie kann man einstellen, wie sichtbar welche Informationen für wen sein sollen? Datenschutz, Persönlichkeits- und Urheberrechte.

Die Burg-Reporter

Zunächst überlegen sich die Burg-Reporter interessante Themen, über die es sich lohnt, zu berichten. Bewaffnet mit Mikro, Kopfhörern und Aufnahmegerät interviewen sie anschließend Passanten und Experten. Die Aufnahmen werden dann am Computer bearbeitet. Dabei lernen die Reporter die digitale Schnitt-Technik kennen. Am Ende hat jedes 3er-Team einen kleinen journalistischen Hörbeitrag produziert.

Medien, Macht, Manipulation – Propaganda in der modernen Medienwelt

Durch eigene Experimente und Produkte erkennen die Teilnehmer Mittel der Manipulation in den Medien. Ausgehend davon diskutieren wir moderne Formen der Propaganda und die Rolle der Medien in Konflikten unserer Zeit. Zum Abschluss erarbeiten wir eine möglichst multimediale Zusammenschau unserer Ergebnisse, die auch das Publikum zum Nachdenken anregen soll.

Rechtsextremismus in den Medien

Das Erscheinungsbild und das Auftreten der Rechten in den Medien haben sich erheblich gewandelt. Ihre Propaganda zielt vermehrt auf Jugendliche ab und nimmt aktuelle jugendkulturelle Stile auf. Wir werden verschiedene „Medienauftritte“ von rechts analysieren und bewerten und gemeinsam überlegen, wie darauf reagiert werden kann.

Bilder sprechen. Welche „Wahrheit“ wollen und sollen sie uns sagen?

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“ heißt es im Sprichwort. Aber bilden sie tatsächlich die Wirklichkeit ab oder sollen sie uns eine Realität vorspiegeln, die es so gar nicht gibt. Im Workshop werden wir uns zunächst damit beschäftigen, wie wir Bilder überhaupt wahrnehmen. Danach sehen wir uns reale Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart an, damit am konkreten Beispiel deutlich wird, wie gefälscht wird. Wir wollen auch der Frage nachgehen, warum Bilder gefälscht und manipuliert werden.

Spielregeln im Netz: Downloaden, Uploaden und Tauschen. Was ist okay und was nicht.

Nicht alles was technisch und leicht möglich ist im Internet ist auch erlaubt. In diesem Workshop geht es darum, anhand von Beispielen (Filme, Bilder, Texte, etc.) zu lernen, was juristisch okay ist und was nicht. Die Teilnehmer werden fit gemacht, sich professionell und sicher im Internet zu bewegen ohne dabei Angst haben zu müssen, mit dem Urheber- oder Medienrecht in Konflikt zu geraten.

Trickfilmprojekte Mensch und Medien – Werbeclips

In 3 Kleingruppen mit je drei bis fünf Teilnehmern werden Ideen zum Thema Gefahren, Potential, Sinn und Unsinn des Mediengebrauchs als Werbclips in Trickfilmform entwickelt, animiert, geschnitten und vertont.

Scripted Reality TV – alles echt aus dem Leben gegriffen?

Dokus aller Arten boomen enorm, auch am Nachmittag. Faszination für die viele Zuschauer: Wer lässt sich überhaupt im Alltag begleiten und filmen? Guckst DU auch? Wer schaut noch und warum? Ist das nicht langsam öde für die Fernsehmacher. Echt viele Fragen. Fake oder doch echt ? Hier kommst DU dem ganzen auf die Spur. Wirklichkeit oder Fiktion? Kinder und Jugendliche können das bei Scripted-Reality-Sendungen nur schwer unterscheiden. Die TVSerien heißen “Mitten im Leben”, “Familien im Brennpunkt” oder “Die Schulermittler”. Es sind Pseudo-Dokus – die Geschehnisse sind per Drehbuch geplant.

Dokumentarfilm = Wirklichkeit?

Der Dokumentarfilm wird oft mit der Realität gleichgestellt. Aber was versteht man eigentlich unter Dokumentarfilm? Und was passiert mit der sog. Realität, wenn jemand eine Kamera einschaltet? Wir werden uns sehr unterschiedliche Filmbeispiele anschauen und untersuchen, wie Dokumentarfilme ihre Geschichten erzählen und ob man überhaupt von DEM Dokumentarfilm und DER Realität sprechen kann. Aber wenn es nicht die EINE Realität gibt, kann man dann von Manipulation sprechen? Einige Filmausschnitte werden auf Englisch gezeigt.

Das Internet – Tatort oder Lebensraum – Gefahr oder Chance

Das Internet ist mittlerweile täglicher Lebensraum geworden, aber so sicher wie im Straßenverkehr bewegen sich Jugendliche nicht darin. Viele grundlegende Dinge sind unbekannt oder werden sogar verdrängt.

Wir finden Antworten auf diese Fragen: Wie surfe und bewege ich mich sicher im Netz? Was tun bei Cybermobbing?

Kreativworkshop: ein szenisches Spiel zum Thema Medien

Bist du ein Neuling auf der Bühne? Oder hast du schon Erfahrung auf den “Brettern“? Ist eigentlich egal, denn hier hat jeder leichtes Spiel. Lust auf Theater reicht völlig aus. Wir lernen zunächst die Grundregeln des Schauspielens und improvisieren unsere eigenen Stücke. Inhalt: Irgendwas mit Medien natürlich! In kleinen, wechselnden Gruppen zeigt ihr euch anschließend gegenseitig kleine Geschichten, mal seid ihr auf der Bühne, mal im Publikum.

Und zum Schluss: Eine Aufführung der ganzen Gruppe vor vollem Haus! Bühne frei …

Vom Urlaut zum USB-Stick – Kommunikation kompakt

Signallaute, Bildbotschaften und Schriftzeichen begegnen uns seit jeher in den unterschiedlichsten Kommunikationssituationen. Dies macht zunächst ein geführter Rundgang deutlich, der das Thema Kommunikation kompakt in einem Querschnitt durch die Ausstellung vorstellt.

Bei der anschließenden Arbeit in Kleingruppen präsentieren die Schüler ausgesuchte Objekte aus den Teilbereichen “Sehen”, “Hören” und “Schreiben/Lesen”.

Bewegliche Bilder malen

Wir erzählen eine Geschichte mit beweglichen Bildern. Im Vordergrund lassen wir eine Landschaft entstehen, im Hintergrund spielen Märchenfiguren die Geschichte. Alle Bestandteile unserer Geschichte erfinden und erstellen wir selbst.

KAMISHIBAI

Fernsehen ohne Strom? Das gelingt dir mit dem Kamishibai. Es ist ein Erzähltheater, das du selbst aus einem Wechselrahmen mit Flügeltüren bauen kannst. Du überlegst eine spannende Geschichte, zerlegst sie in „Fernsehbilder“ und malst sie. Diese Bilder werden in den Rahmen eingesteckt und nacheinander wieder heraus gezogen. So wirst du Fernsehmoderator und Kameramann in einer Person für deine Zuhörer und Zuschauer.

Wie umgehen mit dem Informationskrieg in der Ukraine?

Die Ereignisse und Entwicklungen in der Ukraine werden in ukrainischen und russischen Medien diametral entgegengesetzt geschildert. In Russland ist es nicht möglich, ukrainische

Fernsehsender zu schauen, und in der Ukraine werden russische Sender teilweise abgeschaltet mit der Begründung, dass die Menschen durch sie verunsichert und aufgehetzt werden. Man spricht von Informationskrieg, umso mehr als auch viel mit gefälschten Bildern und Behauptungen gearbeitet wird. Wie erleben wir jungen Menschen aus der Ukraine diesen Konflikt? Woher beziehen wir unsere Informationen? Welchen Medien können wir vertrauen?

 

Lehrerfortbildung

Medialer Kampf in der Ukraine und um die Ukraine: Informationskrieg?

Die Darstellung des Ukraine-Konflikts wird in ukrainischen und russischen Medien diametral entgegengesetzt geschildert. In der Ukraine spricht man von Informationskrieg, weil einerseits viel mit gefälschten Bildern und Behauptungen gearbeitet wird, andererseits von russischer Seite auch massiv Druck auf westliche, vor allem deutsche Medien gemacht wird, die russische Sichtweise zu übernehmen. Im Workshop geht es um die Hintergründe, Methoden und Gegenmaßnahmen.

Christoph Leikam, StR (RS)

Armin Wurpes, SemR als ZFL Pädagogik