Bis(s) ins Knoblauchsland

Ein Grusical begeistert: Wer es nicht gesehen hat, hat etwas verpasst

 

Innerhalb von nur wenigen Monaten schafften eine Vielzahl von Schülern unter der Leitung einer Vielzahl von Lehrern sowie einer Vielzahl von tatkräftigen Freunden der Peter-Henlein-Realschule, eine frei erfundene Geschichte lebendig werden zu lassen. Und obwohl die Erzählung – eine Reise in die Zukunft – nie Wirklichkeit werden wird, fand sich das Publikum in der Handlung wieder und fieberte mit den Hauptdarstellern mit. Jung und Alt wurde ein Szenario – das zum Teil problematische Zusammenleben von Vampiren und Menschen – präsentiert, das sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregte.

Ein großes Wagnis also, das alle Beteiligten eingingen, als sie dieses Musiktheaterstück zur Aufführung brachten. Doch mit donnerndem Applaus und stehenden Ovationen belohnte das Publikum den Mut aller Mitwirkenden.

 

Wir schreiben das Jahr 2050. Im Vergleich zum Jahr 2018 hat sich kaum etwas verändert – bis auf einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied: Es lebt eine für die meisten Menschen furchteinflößende Spezies unter uns – Vampire. Dies aber ahnt der Großteil der Bevölkerung nicht.

Durch einen unglücklichen Zufall jedoch erfährt Eva von Sues dunklem Doppelleben als Vampir. Da Sue Eva schon länger ein Dorn im Auge ist, weil sie ihr ihren Schwarm Mark „ausgespannt“ hat, setzt sich Eva zum Ziel, Sue und ihre Vampir-Bande auszulöschen.

Das Vampir-Mädchen Sue bringt also aufgrund ihrer Existenz sich und ihre Familie sowie viele weitere tausend Menschen unbewusst und unabsichtlich in Gefahr. Dramatische Szenen spielen sich in der Nürnberger Gesellschaft ab – Streik, Krawalle, Ladenplünderungen und Ausgangsverbote nach 22 Uhr bestimmen den Alltag aller, so dass nicht nur das Leben der Vampire in Gefahr ist.

Nur durch die Unterstützung ihres Freundes Mark und dessen Polizeikollegen Adam gelingt es Sue schließlich auf abenteuerliche Art und Weise, das ausgerottete, aber für die Vampire lebensnotwendige Diamantkraut wiederzubeschaffen.

 

Sarah Piri, die die Hauptfigur Eva spielt, ist die Rolle wie auf den Leib geschneidert. Sie verkörpert Eva sehr authentisch und weiß genau, das etwas schnippische, manchmal biestige Mädchen, das aber einen guten Kern hat, das sich von Freunden nur ungern etwas sagen lässt, zu spielen. Dabei gelingt es ihr, die rachelüsternen Momente genauso wundervoll darzustellen wie die tief emotionalen, was durch ihre kraftvolle und klare Stimme untermauert wird. Auch die anspruchsvollen Songs meistert sie bravourös. Das, was sie in ihrem Leben vermisst, ein fester Freund, ist ihr nicht vergönnt. Ihr Schwarm Mark wurde ihr von ihrer Konkurrentin Sue, Chrysoula Trensiou, ausgespannt. Mark wird von Marco Al-Gailani gespielt, der aufgrund seiner heiteren Art dem Auditorium einige Lacher entlockt – sein selbstbewusstes Auftreten ist bewundernswert. Chrysoula Trensiou geht in ihrer Rolle des Vampir-Mädchens Sue vollends auf. Aufgrund ihrer natürlichen Art zieht sie das Publikum in ihren Bann. Die zweite männliche Hauptrolle füllt Emilio-Sultan Dinta als Adam aus. Mit seiner Gelassenheit, seinem Charme und seiner Ausstrahlung zieht er vor allem – aber nicht nur – die weiblichen Gäste in seinen Bann.

Doch was wäre ein Musical mit fantastischen Hauptdarstellern, ohne die vielen hochkarätig besetzten Nebenrollen? Die Nebendarsteller verzauberten ebenfalls durch schauspielerische Glanzleistungen, indem sie den jeweiligen Charakter ihrer zu verkörperten Rolle schauspielerisch brillant herausstellten und auch gesanglich vermochten, das Publikum zu fesseln.

Alle Charaktere sind unter der Regie von Thomas Buchner, Christa Weiland, Susanne Hahn und Carmen Sammler stark gezeichnet worden, so dass das Stück, das aus Steffi Schnabls Feder stammt, zu solch einem Erfolg avancieren konnte. Die Handlung entwickelt sich stets nachvollziehbar und bleibt spannend, kleinere Pannen wirken charmant und können durch hervorragende musikalische Untermalung und die Leistung aller Akteure ausgemerzt werden. Des Weiteren ist das musikalische Mitwirken der Chorklassen zu loben (Leitung: Thomas Schlegel). Und auch das Tanzensemble, das von Annika Pohlmann betreut wird, fasziniert mit ausdrucksstarken Choreografien.

Das Bühnenbild, das in mühevoller Arbeit von Schülern unter der Leitung von Melanie Fritz entworfen und gestaltet wurde, besteht aus mehreren Kulissenteilen. Nach brecht’schem Vorbild bauen Schüler vor den Augen der Zuschauer das Bühnenbild schnell und gekonnt um, ohne dass ein Vorhang fällt: vom Chemielabor bis hin zum Polizeipräsidium. Wunderbar unterstützt wird die Szenerie durch das gut auf die jeweiligen Situationen abgestimmte Lichtdesign, die melodischen Klavierstücke und die zeitgemäßen Kostüme.

Getragen werden Handlung, Inszenierung und Darsteller von der aus Lehrern und Schülern bestehenden Big Band „Fai schäi“ unter der äußerst versierten Leitung von Thomas Schlegel, der seine Musiker großartig durch die verschiedenen Musikgenres führt und einen perfekten Mix aus bekannten Popballaden, röhrenden Rocksongs und fast vergessenen Klassikern aus dem „Orchestergraben“ erklingen lässt.

So überzeugt die Aufführung „Bis(s) ins Knoblauchsland“ also auf ganzer Linie und es darf gehofft werden, dass diesem Musical in naher Zukunft ein weiteres folgen wird, das die Zuschauer erneut zu verzaubern versteht.

 

Steffi Schnabl

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